Nationaler Ethikrat liegt falsch: Begrenzte Zulassung von PID in der Praxis unmöglich

Berlin, 24. Januar 2003

Ist Präimplantationsdiagnostik (PID) erst einmal zugelassen, kann die Anwendung kaum auf einige wenige Fälle beschränkt werden. Sich darauf zu verlassen, sei bloße Augenwischerei, erläutert FU-Bundesvorsitzende Maria Böhmer. Der nationale Ethikrat hatte sich zuvor mehrheitlich dafür ausgesprochen, in geringer Anzahl bislang in Deutschland verbotene Gentests bei künstlicher Befruchtung zuzulassen. Künstlich befruchtete Eizellen - so jedenfalls die Vorstellung des nationalen Ethikrates - würden dann auf schwere Erbkrankheiten getestet, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Letztendlich führe die Zulassung von PID zu einer nicht hinnehmbaren Selektion von Embryonen in tauglich und nicht tauglich, warnt Böhmer. Beispiele aus Belgien - dort ist PID erlaubt - zeigten, dass die zunächst begrenzte Zulassung immer weiter ausgeweitet werde. Die Verunsicherung werdender Eltern, forschungsimmanente Gründe und Wirtschaftlichkeitserwägungen legten die Schlussfolgerung nahe, dass sich PID auch in Deutschland nicht eingrenzen lasse. So zeige das Beispiel der Pränataldiagnostik (PND) wie eine zunächst restriktiv für Problemfälle eingesetzte Untersuchung von Müttern inzwischen in großen Maße genutzt und so zur Regel werde.

Die Beteuerungen deutscher Forscher, die PID käme in nur etwa 100 Fällen im Jahr zur Anwendung, widersprächen den Erfahrungen belgischer Ärzte. Danach seien jährlich mindestens 200 Fälle pro PID-Zentrum nötig, um den Ärzten genügend Routine für die Eingriffe zu verschaffen. Die Technik gehöre zu den kompliziertesten Verfahren der Biotechnologie. Allein die Universitätsklinik Brüssel, in der sich Böhmer unlängst über die Arbeit belgischer Wissenschaftler informierte, führt jährlich rund 360 Embryo-Gentests durch. Die Tests dort würden auch eingesetzt, um die am besten geeigneten Embryonen im Rahmen der künstlichen Befruchtung auszuwählen, so Böhmer. Damit entwickele sich PID in Belgien und anderen Ländern hin zu einem Routinetest. Böhmer: "Die Eingrenzungsdiskussion wird somit zur Farce." In Deutschland sollen nach den Vorstellungen der Befürworter der PID mehrere Zentren eingerichtet werden.

 
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